Freitag, 9. Februar 2018

(Gastbeitrag) Warum mit der Hand schreiben?

Ich, Katharina, schreibe schon, seitdem ich den ersten Aufsatz in der Schule schreiben sollte. Ich liebe es, Geschichten entstehen zu lassen.

Auf meinem Blog „Keksmond erzählt!“ findest du Rezensionen zu Jugendbüchern, aber auch zu Klassikern, Fantasy und Sachbüchern sowie andere buchige Themen. Da es bei mir aber nicht nur um Bücher geht, sondern um die ganze Welt der Geschichten, veröffentliche ich als Hoffentlich-bald-Autorin auch gerne eigene Texte. ♥

Warum noch mit der Hand schreiben?


Tabea schrieb in einem Tweet, dass sie nur sehr selten auf Papier schreibt, nämlich nur, wenn sie nichts anderes dabei hat. Bei mir sieht das ein bisschen anders aus. Ich schreibe sehr gern auf Papier. Man mag mich jetzt für umweltschädlich halten, aber mir bedeutet das Schreiben mit der Hand auf Papier sehr viel.

Es war nicht mein erstes Romanprojekt, aber jenes, das mir am meisten am Herzen lag. Ich steckte in einer Krise und die Worte wollten einfach nicht fließen. Das Problem war, dass ich mich zu sehr unter Druck setzte, schreiben zu MÜSSEN. Nachdem ich beschlossen hatte, mein Projekt mit der Hand in ein Notizbuch zu schreiben, klappte es sehr viel besser. Was hatte sich für mich verändert?

Durch das Schreiben mit der Hand habe ich bedachter geschrieben, vor allem aber langsamer. Zwar hat das Tippen am PC den Vorteil, dass die schnellen Gedanken, die einem kommen, schnell den Weg aufs „Blatt“ finden, aber beim händischen Schreiben (so geht es mir jedenfalls) ist der Schreibfluss fließender. Es gibt weniger Absetz-und-Denk-Pausen, dafür wird auch nicht jeder (mal gute, mal schlechte) Gedanke übernommen.

Ein weiterer Vorteil war, dass ich beim Abtippen der ganzen Geschichte gleich die erste Überarbeitungsrunde hinter mir hatte. Kann die Formulierung wirklich so bleiben? Sollte hier nicht noch ein Satz hin? Meinem Gefühl nach hat das den Text deutlich besser gemacht, zumindest an den Tagen, an denen ich überarbeitungs-willig war.

Wer jetzt denkt, durch das Schreiben mit der Hand hätte man direkt die perfekte Geschichte fabriziert, der keine weitere Überarbeitungsrunden zu gute kommen müssten, der liegt natürlich falsch. Alles, was ich sagen will, ist, dass man sehr viel bedächtiger schreibt. Außerdem erlebt man den Entstehungsprozess richtig – und man hat schon etwas in der Hand: die Notizbücher! Wer ist denn nicht neidisch, wenn er alte Manuskripte von Goethe oder anderen Dichtern und Denkern anschaut?

Nachteile sind natürlich die Ressourcen-Verschwendung des Papiers, dazu kommt, dass du Platz brauchst, wenn du alle Notiz- und Kladdenzettel aufbewahren willst, und die schon angesprochene Langsamkeit.

Gibt es noch einen Vorteil? Ja, es ist erwiesen, dass Dinge, die man mit der Hand schreibt, besser im Gedächtnis bleiben als getippte Worte. (Quelle: WDR)
Das mag dir jetzt vielleicht nur für Unterrichts-Mitschriften oder Lernzettel wichtig erscheinen, aber auch für einen Schriftsteller ist das eine interessante Sache: Wenn du die Geschichte, die du geschrieben hast, besser erinnern kannst, dann findest du schneller in die Geschichte rein, wenn du daran weiterarbeiten willst. Vielleicht entwickeln sich weniger Widersprüche, die später mühsam ausgemerzt werden müssen, oder du weißt schlicht und ergreifend besser, wo du stehen geblieben bist.

Ich für meinen Teil bin also ein großer Fan von der Handschrift. Allerdings schreibe ich trotzdem nicht alles mit der Hand; es ist schlicht sehr zeitaufwendig. Für mein Projekt war es die richtige Wahl – und sollte ich wieder auf dasselbe Problem stoßen, dann würde ich es wieder tun. Ich plädiere dafür, wieder mehr mit der Hand zu schreiben, seien es nur einzelne Szenen, mit denen man sich schwer tut. Aber ich verstehe auch jeden, der nur digital arbeitet. Schließlich muss jeder seine Arbeitsweise finden.

Durch meine positive Erfahrung aber bin ich sogar der Meinung, dass der zumindest kurzzeitige Umstieg auf Papier bei einer Schreibblockade helfen kann. Denn anstatt die ganze Zeit auf den blinkenden Cursor zu starren, kannst du das Papier frei gestalten, du kannst einfach Gedankenfetzen sammeln, du kannst überall kleine Skizzen hinmalen, du kannst es zerknüllen, wenn du unzufrieden bist. Vielleicht befreit dich das? Vielleicht hilft auch schon die andere Arbeitsweise, um einmal umzudenken? Schließlich steckt man bei einer Schreibblockade oft fest und hat auch mit Zweifeln zu kämpfen. Wenn dich dieser Gedanke lähmt, dann kritzle aufs Papier was du denkst, das Papier ist geduldig, vielleicht ist der richtige Gedanke dabei!

Wie handhabt ihr das? Schreibt ihr noch viel auf Papier oder lebt ihr komplett digital?

Kommentare:

  1. Bewundernswert, wirklich :D
    Ich lebe komplett digital, alleine schon, weil meine Hände das auf Dauer nicht mitmachen würden wohl. Ich kann nämlich nur viel/schnell schreiben, wenn ich das wochenlang angeütb habe und seit die Schule vorbei ist … Tja?! Wenn ich heutzutage länger schreiben muss, verkrampft alles und tut weh (Stiftfehlhaltung *pfeif* - zu Schulzeiten war man es eben gewohnt)

    Nur manchmal greife ich zum Papier, wenn ich irgendwas "ausprobieren" will, einen Raum skizziere, etwas "überprüfen" muss. Plotten habe ich auch schon auf Papier versucht, wird auch nichts … vermutlich sind mir die Brainstormingtechniken nicht gut genug ins Blut übergegangen, als man das in der Schule hatte. Mit meinem Schreibprogramm kann ich bisschen Bubbles füllen, Pfeile ziehen. Korrigieren.

    Dass das, was man von Hand schreibt, besser im Gedächtnis bleibt, kann ich aber bestätigen. Konzept Spicker eben ^^

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    1. Mir geht es ähnlich - früher konnte ich wesentlich schneller mit der Hand schreiben. Vor dem Abitur waren da 1500 Wörter in einer Doppelstunde möglich. Inzwischen bin ich aber auch am Computer viel, viel schneller als mit der Hand.

      Ich mache auch nur ein paar Notizen nebenbei - allein schon, weil ich zu faul bin, ALLES nachher noch mal abzutippen. Selbst, wenn man das als ersten Korrekturgang sehen kann.

      Liebe Grüße

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    2. Das mit der Hand-Ermüdung ist leider das Problem. Komischerweise trat das bei mir erst im Studium auf, nachdem das Projekt bereits lange fertig war :D

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